Methodik
Die Heidelberger Konfliktforschung umfasst die Arbeit zweier am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg angesiedelten Forschungseinrichtungen: des 1991 gegründeten HIIK und der seit 2005 bestehenden Forschungsgruppe des Conflict Information System (CONIS Group). Beide Einrichtungen sind dem Zweig der quantitativen Konfliktforschung zuzurechnen, die das Ziel verfolgt, das Konfliktgeschehen in seiner Vielgestaltigkeit empirisch zu erfassen und die Konfliktursachenforschung durch das Aufdecken kausaler Muster zu bereichern.
Sowohl das vom HIIK herausgegebene Konfliktbarometer als auch die CONIS Datenbank stehen hinsichtlich ihrer Konfliktdefinition und -operationalisierung in der "qualitativen" Forschungstradition, das heißt sie machen die Qualität des Konfliktaustrags zum Ausgangspunkt einer Konzeption von politischen Konflikten. Im Unterschied zu andernorts vertretenen Ansätzen jedoch, erfasst die Heidelberger Konfliktforschung auch die Maßnahmen und Ereignisse, aufgrund derer die Erfassung eines Konflikts und die Bestimmung seiner Intensität erfolgen. Erst damit werden Konfliktbestimmungen intersubjektiv nachvollziehbar und überprüfbar.
Konfliktdefinition
Nach der neuen Heidelberger Konfliktmethodik versteht das HIIK unter einem politischen Konflikt eine Positionsdifferenz hinsichtlich gesamtgesellschaftlich relevanter Güter - den Konfliktgegenständen - zwischen mindestens zwei maßgeblichen direkt beteiligten Akteuren, die mittels beobachtbarer und aufeinander bezogener Konfliktmaßnahmen ausgetragen wird, welche außerhalb etablierter Regelungsverfahren liegen und eine staatliche Kernfunktion oder die völkerrechtliche Ordnung bedrohen oder eine solche Bedrohung in Aussicht stellen.
Dynamisches Konfliktmodell
In der Betrachtung der Intensität eines politischen Konflikts werden gemäß des zugrundeliegenden dynamischen Konfliktverständnisses insgesamt fünf Intensitätsstufen unterschieden: Disput, gewaltlose Krise, gewaltsame Krise, begrenzter Krieg und Krieg. Diese Konfliktstufen unterscheiden sich nach dem Grad der in ihrem Austrag angewandten physischen Gewalt.
Wichtige Kriterien zur Bestimmung des Gewaltgrades sind die dabei eingesetzten Mittel (Waffeneinsatz und Personaleinsatz) und ihre Folgen (Todesopfer, Zerstörung und Flüchtlinge).
Wichtigste Veränderungen 2011
Quantitative Konfliktforschung ist nicht nur in empirischer und analytischer, sondern auch in methodischer Hinsicht ein kontinuierlicher Forschungsprozess. Das HIIK und die CONIS Group reflektieren diese Fortentwicklung in ihrer überarbeiteten gemeinsamen Methodik. Das Verfahren der Heidelberger Konfliktforschung wird hierdurch weiter ausdifferenziert und systematisiert.
So erfolgt zum einen die Bestimmung der Intensität eines Konflikts nun nicht mehr nur wie bisher auf der Ebene der Nationalstaaten und Kalenderjahre, sondern auch für die einzelnen politischen Einheiten auf subnationaler Ebene und auf der Grundlage der Kalendermonate. Zum anderen erfolgt die Bestimmung der Konfliktintensität nun durch eine Analyse mittels klar konzipierter Indikatoren zur Bewertung der Mittel und Folgen des Konfliktaustrags. Diese Analyse basiert jedoch weiterhin auf dem Handeln und Kommunizieren der Konfliktakteure. Durch die konzeptionelle Ausdifferenzierung und Standardisierung der Datenerfassung wird eine größere Genauigkeit, Reliabilität und Nachvollziehbarkeit der Informationen zu politischen Konflikten erreicht.
Des weiteren wurden im Zuge der Überarbeitung der Methodik die bisherigen fünf Intensitätsstufen zwar beibehalten, jedoch wurden einige von ihnen umbenannt:
| Intensitätsstufe | alte Bezeichnung | neue Bezeichnung |
|---|---|---|
| 1 | latenter Konflikt | Disput |
| 2 | manifester Konflikt | gewaltlose Krise |
| 3 | Krise | gewaltsame Krise |
| 4 | schwere Krise | begrenzter Krieg |
| 5 | Krieg | Krieg |